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Unerfahrenheit führt bei jungen Reiterinnen oft zu Unfällen

Bonn – Wenn Linda auf ihrem Pferd „Billy“ reitet, dann fühlt sich die Kleine ganz groß. Dort oben auf dem Rücken des Pferdes liegt ihr die Welt sprichwörtlich zu Füßen. Seit einem Jahr lernt die Zwölf-Jährige auf einem Hof in der Nähe von Bonn reiten. Einmal aufsatteln, ein Ruck am Zügel und los geht’s über Stock und Stein? Nein, so einfach gehe es gerade anfangs nicht. Darauf weist die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ (BAG) in Bonn hin. Denn wer Reiten lernen möchte, bräuchte viel Zeit und Geduld.

Unerfahrenheit und Unkenntnis über das Verhalten der Tiere sind laut BAG die häufigsten Unfallursachen. Viele Kinder und Jugendliche hätten diese Geduld jedoch nicht und überschätzten sich – und schnell seien Unfälle passiert, die oftmals schlimme Folgen haben könnten. 30.000 Unfälle passieren nach Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jedes Jahr im Reitsport. Besonders gefährdet sind demnach junge Reiterinnen: Mädchen unter 14 Jahren machen etwa 17,5 Prozent der organisierten Reiterinnen in Deutschland aus, doch sind bei 40 Prozent aller Reitunfälle betroffen.

Für BAG-Geschäftsführerin Martina Abel ist das ein deutliches Signal, dass die Unfallvorbeugung bei der Reitausbildung von Kindern und Jugendlichen verbessert werden muss. „Kinder müssen den Umgang mit Pferden erst lernen“, betont sie. „Fast 85 Prozent der Unfälle passieren, weil das Pferd nicht so reagiert, wie junge Reiter das erwarten.“

Barbara Hirsch, Reitlehrerin aus Swisttal bei Bonn, kennt das Problem. „Das Pferd ist ein Fluchttier. Es reagiert sehr schnell auf ungewohnte Bewegungen oder Geräusche.“ Ungeübte Reiter verlören in solchen Fällen die Kontrolle über das Tier.

Ein guter Einstieg für Kinder ist laut Barbara Hirsch das Voltigieren. „Es schult die Motorik der jungen Reiter und gibt ihnen eine größere Bewegungssicherheit auf dem Rücken des Pferdes.“ Die Kinder müssten lernen, durch ihre Bewegungen das Tier nicht zu verunsichern, sagt die Reitlehrerin. Das bräuchte viel Übung und Erfahrung. Mit zunehmendem Alter – das zeigt auch die BAuA-Unfallstatistik – nehmen Verletzungen durch den Reitsport ab.

Barbara Hirsch betont: „Ein Pferd ist kein Kuscheltier. Wer sicher reiten möchte, muss den Umgang mit Pferden sehr sorgfältig erlernen und sich ausführlich mit ihnen beschäftigen.“

So seien Pferde Herdentiere, die viel Auslauf bräuchten und sich mitunter von ihren Artgenossen beeinflussen ließen. „Pferde lieben Bewegung. Nach wenigen Tagen im Stall können sie beim ersten Ausritt schon übermütig werden“, erläutert Barbara Hirsch.

Gerade bei Ausflügen ins Gelände sollten nur fortgeschrittene Reiter in den Sattel steigen. „Denn die Nervosität eines Kindes überträgt sich auf das Tier“, sagt Barbara Hirsch. Doch wer das Pferd beherrsche und den Ausflugsort seinem Können entsprechend auswähle, könne auch mit brenzligen Situationen und den verschiedenen Mentalitäten der Tiere souverän umgehen. Generell gelte jedoch, dass Kinder nie ohne Begleitung eines Reitlehrers ausreiten sollten.
Bei aller Vorsicht lässt sich ein Sturz vom Pferd allerdings nicht immer vermeiden. Von großer Bedeutung sei in einem solchen Fall die richtige Ausrüstung, erläutert Martina Abel von der BAG: „Viele schwere Kopfverletzungen ließen sich vermeiden, wenn die Kinder einen entsprechende Reithelm trügen.“ Vielfach würden aus falschem Traditionsbewusstsein noch einfache Reitkappen getragen, die nicht vor Verletzungen schützten. Die BAG empfiehlt daher das unbedingte Tragen eines Reithelms und sieht sich mit dieser Einschätzung in guter Gesellschaft: Auch Reitlehrer setzten sich dafür ein. „Optimaler Halt und eine gute Stoßdämpfung sind dabei die wichtigsten Voraussetzungen“, betont Martina Abel.

Aber auch die übrige Ausrüstung wie Reithosen, Sattel und Steigbügel müssten immer wieder überprüft werden. „Die beste Ausrüstung wird zum Risikofaktor, wenn sie nicht entsprechend gepflegt wird“, sagt die BAG-Geschäftsführerin.
Den richtigen Umgang mit den Tieren kann der Reiter-Nachwuchs gründlich erlernen: Der größte Dachverband des Reitsports, „Fédération Equestre Nationale, bietet Schulungen und Prüfungen an. Wer Abzeichen wie das „Große Hufeisen“ oder den „Reitpass“ erworben hat, ist auf den Reitsport optimal vorbereitet.

Für einen sicheren Umgang beim Reiten rät die BAG:
- Verhaltensweisen des Pferdes kennen lernen
- Tragen von Reitkappe, bequemer Reithose und Reitstiefeln ohne Profilsohle
- Für Kinder empfiehlt sich eine versteifte Reitweste
- Gepflegte Ausrüstung wie gut passender Sattel, fachgerecht angebrachte Trense und breite Steigbügel mit rutschfester Gummieinlage
- Keine Selbstüberschatzung: schwierige Ausritte und Übungen nicht ohne Reitlehrer

(Die Fédération Equestre Nationale hat zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Sicherheit im Sport, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften, dem Bundesverband der Unfallkrankenkassen, dem TÜV, der Ruhr-Universität Bochum und der ARAG Sportversicherung ein Faltblatt zur Unfallverhütung im Reitsport herausgegeben, in dem weitere Tipps und Ratschläge nachgelesen werden können. Bezug: FN, Freiherr-von-Langen-Str. 13, 48231 Warendorf)